Grund- und Mittelschule Windischeschenbach


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 Thema: "Mauerfall" in der M9 und M10

Ein Zeitzeuge ( Steffen Cramer ) berichtet über das Leben in der ehemaligen DDR und über seine Flucht in die Freiheit.

Windischeschenbach. Vor zwanzig Jahren ist es geschehen: Die Mauer, die Deutschland trennte, ist gefallen. Seither spricht man von der Wende, vom Mauerfall und von der Wiedervereinigung. Ein Thema, mit dem sich seit Wochen nicht nur die Medien befassen. Auch für die Schülerinnen und Schüler der Klase M9 und M10 an der Volksschule Windischeschenbach war der Mauerfall Unterrichtsstoff, zumal die Jahrzehnte zwischen 1945 und heute derzeit auch im Geschichts-, Sozialkunde- und Erdkunde-Unterricht (GSE) auf dem Stundenplan stehen.

In den Fächern GSE und Deutsch werden die Ereignisse anhand von Zeitungsartikeln und Informationen aus dem Internet aufgearbeitet und in die Zeitleiste eingebettet. Daraus ergeben sich oft Rückfragen und Rückschlüsse auf vorausgegangene Ereignisse, die erarbeitet werden müssen.

Und bei dieser Erarbeitung bekamen die Schülerinnen und Schüler der M9 und der M10 tatkräftige und hilfreiche Unterstützung durch einen Zeitzeugen, der noch vor der Wende die DDR mit seiner Familie verlassen hat. Lehrer Josef Söllner konnte in der Klasse Steffen Cramer, der auch einen Sohn in der Klasse hat, als Zeitzeugen willkommen heißen. Ein Zeitzeuge, der nicht aus dem Geschichtsbuch erzählte, sondern der über das berichtete, was er mit seiner Frau live erlebt hat.

Steffen Cramer, der in Leipzig geboren wurde, begann seine Ausführungen mit dem allgemeinen Leben in der DDR. Es ging aufwärts in beiden Teilen Deutschlands, allerdings mit dem Unterschied, dass wir sozialistisch erzogen wurden. Schon in der Schule wurden die gefördert, die in die FDJ eintraten und die die Linie des Staates vertreten haben. Die Auswirkungen merkte man besonders beim Studium. Wer nicht beim Militär war, bekam auch nicht den gewünschten Studienplatz. "Mir", so Cramer, "wurde Maschinenbau angeboten. Und man konnte nicht selbst entscheiden, wo man nach dem Studium als Ingenieur arbeiten wollte".

"Der Staat sorgte dafür, dass alle Arbeit hatten und ihre Miete bezahlen konnten. Waren beide Eltern beschäftigt dann kamen sie auf ein Einkommen von circa 800 DDR-Mark. Die Miete betrug 40 Mark und wurde nie verändert". Als Diplomingenieur hatte Cramer einen guten Beruf, er bekam einer Wohnung mit 32 Quadratmetern. Jede 20. Familie, die ausgesucht wurde, bekam ein Telefon und auf ein Auto musste man 7 bis 10 Jahre warten. "Wir mussten mit allem einverstanden sein und durften nicht gegen den Staat sprechen und man musste sogar im Freundeskreis vorsichtig sein. Es gab keine Freiheit zum Reisen und Urlaub gab es nur mit Fragebogen, der überprüft wurde". "Ein Ausreiseantrag war der schlechteste Weg, da die Familie darunter leiden musste. Viele reisten illegal aus und die Massenflucht und die Demonstrationen nahmen zu. 1989 trauten sich die Menschen auf die Straße zu gehen und in Leipzig riefen Tausende von Menschen: Wir sind das Volk. Eigentlich wollten die Menschen ja bleiben, sie wollten aber Verbesserungen, wobei vor allem der Wunsch nach Freiheit immer stärker wurde auch bei uns. Meine damalige Freundin und jetzige Frau bestärkte mich, die Flucht vorzubereiten. Eltern, Familie, Freunde durften davon nichts wissen, man wusste ja nicht, wer von den Freunden bei der Stasi war".

"Eigentlich wollten wir über Ungarn flüchten", beginnt Cramer den Hergang seiner Flucht zu erzählen. Doch dann wurde kurzfristig die tschechische Grenze geöffnet und mit meinem 16 Jahre alten roten Wartburg haben wir uns in die Autoschlange eingereiht und konnten schließlich die Grenze passieren. Nach einigen Wirren kamen wir schließlich ins Aufnahmelager Weiden und von dort nach Parkstein".

Steffen Cramer bewarb sich beim TüV in Weiden und absolvierte eine zweijährige Ausbildung. Im Januar 1990 wurde er beim TüV eingestellt und 1991/92 erfolgte der Umzug nach Windischeschenbach in die Dornmühlsiedlung, wo sich Steffen Cramer und seine Frau ein Haus bauten.

Eine aktuelle Geschichtsstunde, die von den Schülerinnen und Schülern zwei Stunden lang aufmerksam und konzentriert verfolgt wurde.

Der Zeitzeuge Steffen Cramer hat vieles aufgezeigt, das in keinem Geschichtsbuch zu finden ist.

Lehrer Josef Söllner dankte Cramer dafür und überreichte ein kleines Geschenk. An die Ausführungen des Gastes schloss sich eine rege Diskussion an.